Mausoleen Kunzemann und Bornhagen

Berlin / Kreuzberg, Germany
Mausoleen Kunzemann und Bornhagen in Berllin-Kreuzberg
Photo © Studio Bowie

TRANSFORMATION ZUM VERABSCHIEDUNGSRAUM
MAUSOLEEN KUNZEMANN UND BORNHAGEN IN BERLIN-KREUZBERG

Nach der aufwändigen Instandsetzung und Zusammenlegung der beiden Sepulkralbauten dienen das Mausoleum Kunzemann und Bornhagen nun seit Mai 2024 als Verabschiedungsraum „last minute“. Unter der Leitung von D/FORM Architekten wurden die Außenhüllen, Dächer und Innenräume denkmalgerecht instandgesetzt. So steht der neue Andachtsraum nun als würdevoller Raum des Abschiedes den Angehörigen der Verstorbenen auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof II zur Verfügung. Im Inneren ergänzten die Architekten eine reduzierte Dachkonstruktion aus Beton, deren Proportionen sich am historischen Bestand orientieren.

Insbesondere das prominent zur Bergmannstraße ausgerichtete Mausoleum Kunzemann befand sich 2019 in einem sehr schlechten Zustand und musste in Teilbereichen komplett saniert werden. Es wurde 1868 von dem Bauunternehmer und Architekten Wilhelm Kunzemann errichtet, war als Familiengrabstätte geplant und diente gleichzeitig als eine Art „Schauraum“, um die Leistungsfähigkeit und den wirtschaftlichen Erfolg des Bauunternehmers zu demonstrieren.

Als Besonderheit wurden in dem kleinen Gebäude drei Baustile verwirklicht: Äußerlich wurde es als dorischer Prostylustempel gestaltet, während sich die hinter dem Portikus liegende Eingangshalle als neogotisch entfaltet und der erhöht liegende Andachtsraum mit großzügigem Oberlicht italienische Renaissancebauten zitiert. Im Kellergeschoss, welches von der Eingangshalle über eine steile Mitteltreppe zu erreichen ist, wurden der Bauherr und seine Familie in freistehenden Särgen bestattet.

Seit dem Zweiten Weltkrieg nutzte ein Steinmetzbetrieb das Gebäude als Werkstatt. Zahlreiche Umbauten in dieser Zeit haben das Erscheinungsbild des Mausoleums stark verändert. Der anschließende Leerstand führte zu weiterem Verfall und schweren Bauschäden mit Wassereintritt und Schwammbildung.

Vor Beginn der Sanierung wurde ein ausführliches Restaurationsgutachten zur Analyse der Bestandsmaterialien und -farben angefertigt. Kilian Enders, Architekt und Gründungspartner von D/FORM ARCHITEKTN zum architektonischen Instandsetzungskonzept: „Die Originalbauteile wurden geborgen und in-situ erhalten. Dort, wo die Originalsubstanz nicht mehr gerettet werden konnte, wurden wesentlichen Linien und Kanten zum Verständnis des bauzeitlichen Raumeindrucks durch abstrahierte neue Bauteile nachempfunden. Das Neue ergänzt das Bestehende. Dennoch bleiben die Unterschiede zwischen Bestand und Ergänzung sichtbar, jedoch mit der Absicht, einheitliche Raumeindrücke zu schaffen, welche die Intensionen des ursprünglichen Gebäudeentwurfs zum Ausdruck bringen.“

Sämtliche Farben und Oberflächen wurden restauratorisch untersucht und entsprechend mit historischen Materialien wiederhergestellt. An den Außenwänden wurden die Mauerwerkswände und Putzbereiche repariert, gefestigt und teilweise ergänzt. Im Inneren ersetzen sichtbare Betonfertigteile, deren Proportionen sich aus der historischen Deckengestaltung ableiten, die vollkommen verfallene Dachkonstruktion.

Die Integration des bauzeitlichen, aber inzwischen zerstörten Oberlichtes lässt die beabsichtigte mystische Lichtführung im Andachtsraum zum Himmel hin erahnen. Die nachträglich eingebauten Zwischenwände und abgehängten Decken wurden zurückgebaut, um den ursprünglichen Raumeindruck wiederherzustellen. Soweit die Stuckverzierungen im Innenraum noch vorhanden waren, wurden sie restauriert und konserviert.

Die vom Steinmetzbetrieb eingebaute Haustechnik wurde zurückgebaut und durch neue, für die zukünftige Nutzung notwendige Einbauten, wie z.B. eine Besuchertoilette im Untergeschoss, ersetzt. Darüber hinaus wurde der Andachtsraum im Mausoleum Kunzemann mit einer unsichtbar unter Putz integrierten elektrischen Infrarot-Wandheizung ausgestattet. Sie wurde in Kombination mit einer Innendämmung eingebaut, so dass das Gebäude im oberen Bereich auch in der kalten Jahreszeit genutzt werden kann.

Der allgemeine Zugang zum Mausoleum erfolgt weiterhin über den Eingang an der Tempelfront. Ein weiterer Zugang für mobilitätseingeschränkte Personen wurde über das angrenzende Mausoleum Bornhagen geschaffen. Über temporäre Rampen können Rollstühle und Särge in die Andachtshalle gebracht werden.

Eingangssituation Mausoleum Wilhelm Kunzemann
Photo © Studio Bowie
Eingangssituation Mausoleum Wilhelm Kunzemann
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Zentraler Andachtsraum mit neuer Dachkonstruktion aus Betonträgern
Photo © Studio Bowie
Zusammenspiel von Neu und Alt
Photo © Studio Bowie
Sanierung und Ergänzung des vergoldeten Treppengeländers
Photo © Studio Bowie
Wiederhergestelltes Oberlicht in neuer Dachkonstruktion
Photo © Studio Bowie
Verabschiedungsraum im ehemaligen Mausoloeum Bornhagen (Zusammenlegung mit dem Andachtsraum im Mausoleum Kunzemann)
Photo © Studio Bowie
Kellergeschoss mit Grabstätten
Photo © Studio Bowie
Friedhof: Dreifaltigkeit II, Bergmannstraße 39, 10961 Berlin
Drawing © D/FORM
EG Grundriss mit Darstellung Bestand und Neubau: Eingangshalle, Andachtsraum, Mausoleum Bornhagen
Drawing © D/Form
EG Grundriss mit Darstellung Bestand und Neubau: Gruft Mausoleum Kunzemann, Gruft Mausoleum Bornhagen
Drawing © D/Form
Schnitt durch beide Mausoleen mit Darstellung Bestand und Neubau
Drawing © D/Form
Architects
D/FORM Gesellschaft für Architektur + Städtebau mbH
Location
Bergmannstr. 41 , 10961 Berlin / Kreuzberg, Germany
Year
2024
Client
Evangelischer Friedhofsverband Berlin Stadtmitte
Raumkonzept für individuelle Abschiednahmen
Tillmann Wagner

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