Green Marmot Kapselhotel Zürich

Zürich, Schweiz
Lounge
Foto © Jürgen Beck

Was ist ein Kapselhotel, wie kann man das im Japan der 70er Jahre entwickelte Konzept auf die Schweiz übertragen? In Europa gibt es nur wenige Vorbilder, in Zürich ist es das erste seiner Art.

Die Planung von einem Kapselhotel stellt verschiedene Herausforderungen, die auf engem Raum und im vorgegebenen Kostenrahmen umzusetzen sind. Wieviel Raum braucht ein Mensch? Wie transformiert man das im japanischen Kulturraum entstandene Nutzungskonzept auf die Schweiz – kann man erwarten dass die Strassenschuhe am Eingang ausgezogen werden? Ein schematisches Nutzungsdiagramm zu Beginn des Planungsprozess setzt sich mit funktionalen Abläufen aber auch mit kulturellen Fragestellungen auseinander. Es ist Grundlage für die Organisation und damit die Grundrisskonfiguration des Kapselhotels.

Man betritt das Hotel direkt von aussen im ersten Obergeschoss über den seitlichen Eingang von der Rössligasse. In der Eingangslounge befindet sich die Rezeption, Kaffee- und Snackautomat. Zum Frühstücken geht man extern in Cafés der unmittelbaren Umgebung, Restaurants und Bars laden zum Abendessen ein und werden zum temporär erweiterten Wohnraum des Hotels. Die Schliessfächer sind das meistfrequentierte Element im Hotel, sie liegen zentral und verbindenden den öffentlichen Lounge-Bereich mit den gemeinschaftlichen Bädern und Schlafräumen. Das minimalistisch gestaltete Entrée mit glatten Oberflächen erzeugt eine ruhige und grosszügige Atmosphäre. Der Korridor zu den Schlafkapseln ist dagegen schmal und dunkel gehalten, hier taucht man ein in die Welt des Murmeltiers.

Helles Birkenholz mit drei verschiedenen Oberflächen prägt die natürliche Atmosphäre der Innenräume: Natur, Tannengrün und Hellgrau lasiert. Um die Grosszügigkeit des Loungebereichs hervorzuheben sind Kaffeeautomat, Snackautomat sowie die Schliessfächer in den Holz-Ausbau integriert. Boden und Leuchte sind inspiriert von Kunstwerken Sophie Taeuber Arps, der wegbereitenden Künstlerin der konstruktiv konkreten Kunst in Zürich. Im Gegensatz zum Eingangsbereich macht die Holzkonstruktion der Schlafkapseln das Fügen der einzelnen Elemente zum Thema. Die aussenliegende tannengrüne Ständerkonstruktion der Kapseln schafft Vor- und Rücksprünge die den Innenraum strukturieren. Jede Schlafkapsel wird direkt mit Frischluft versorgt, verfügt über ein Sideboard mit ausklappbarem Tisch, Leseleuchte, Handy-Ladestation, Safe, Spiegel und Kleiderhaken sowie einen hellgrauen Fischgrät gemusterten Vorhang. Zur Nachbarkapsel ist sie doppelt beplankt mit innenliegender akustischer Dämmung.

Das Konzept eines Kapselhotels wurde im Ballungsgebiet Tokio aus dem Bedarf heraus entwickelt günstig zu übernachten. Heute, übertragen auf anspruchsvollere Gäste mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kann es als Beitrag zu einer städtischen Innenentwicklung betrachtet werden. Bei reduziertem persönlichem Raumbedarf mit gemeinschaftlichen Nutzungen im Inneren und durch das Teilen der bestehenden Infrastruktur der Stadt. Das Start-up Kapselhotel Green Marmot in Zürich wird als Familienunternehmen geführt und hinterlässt dadurch einen sehr persönlichen und herzlichen Eindruck bei seinen internationalen Gästen. Der Name Green Marmot Capsule Hotel (Grünes Murmeltier) bezieht sich auf die Lebens- und Schlafgewohnheiten des sympathischen Alpenbewohners.

Leuchte Sophie
Foto © Jürgen Beck
Schlafkapsel
Foto © Jürgen Beck
Schlafkapsel
Foto © Jürgen Beck
Schlafkapsel
Foto © Jürgen Beck
Schiffländeplatz
Foto © Livit AG
Architekten
WEYELL BERNER ARCHITEKTEN GmbH
Standort
Schifflände 26, 8001 Zürich, Schweiz
Jahr
2020
Bauherrschaft
Green Marmot GmbH
Holzbau
Tischlerei Bereuter

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